Frederikshavn

An einem Sonntag beschließe ich, nach Frederikshavn zu fahren. Die Stadt habe ich vor allem durch die lange Fußgängerzone und den Hafen in Erinnerung.

Schon von Weitem erkenne ich gut die Werften und das Meer. Google-Maps führt mich allerdings nicht in die Innenstadt, sondern in ein Wohngebiet. Ich fahre also wieder der Nase nach und befinde mich schon bald wieder auf der Hauptstraße, die am Hafen lang führt. Bei einem Burger King biege ich dann ein und fahre noch ca. 100 Meter einen kleinen Berg hinauf. Dort befinden sich freie Parkplätze. Zu Fuß geht es Richtung Innenstadt. Das ist nicht weit, jedoch ist die Einkaufsstraße am Sonntag ziemlich leer. Ich spaziere trotzdem durch und entscheide in der Woche noch einmal hierher zu fahren. Diese Fußgängerzone ist ziemlich lang. Ich habe gelesen insgesamt 2 Kilometer. Das könnte hinkommen.

Da die Geschäfte und Lokale nicht offen sind, esse ich eine Kleinigkeit im Burger King und muss das erste Mal meinen Impfausweis vorzeigen. Ich mache mich auf den Weg zurück.

Frederikshavn Kirke und eine leere Einkaufsstraße

Am Mittwoch darauf bin ich wieder dort. In der Innenstadt tummeln sich mehr Menschen. Es gibt einen kleinen Flohmarkt und auch einige Pølserwagen klappen ihre Verdecke hoch. Ich bummele ziellos durch die Geschäfte, esse zwischendurch eine Røde Pølser und setze mich auf eine Bank. Ein Leierkastenspieler und ein Mann mit Quetschkommode liefern sich, zur Belustigung der Umstehenden, ein kleines musikalisches Duell. In einer Seitenstraße finde ich einen Dampferladen namens „Decadent Vapours“. Dort erstehe ich zwei schöne neue Drip Tips für die E-Zigaretten.

Innenstadt

Dann erreicht mich eine Nachricht von Sanne, einer Bekannten aus Hamburg. Sie schreibt, dass ich mir unbedingt noch den Pikkenbakken ansehen müsse. Ich mache mich wieder mit Heini auf den Weg und bin begeistert von dieser Aussichtsplattform. Das Wetter ist super und ich kann bis weit auf das Meer hinausschauen.

Aussichtsplattform auf dem Pikkenbakken
Hirsholmene (Deget)

Frederikshavn lohnt sich immer, wenn man in Nordjütland ist. Vieles habe ich nicht gesehen und ich werde bestimmt einmal wieder hinfahren.

Skagen

Skagen ist der nördlichste Punkt Dänemarks. Kattegat und Skagerrak treffen bei Grenen zusammen. Die Landschaft um Skagen herum, hat ebenfalls viel zu bieten. Ich fahre durch Frederikshavn und komme immer mehr in den Norden. Es erscheint mir alles viel leerer. Die Sicht wird vom riesigen Himmel dominiert. Die Landschaft erinnert mich z.T. an die Lüneburger Heide. 

Ich fahre zur Råbjerg Mile, einer riesigen Wanderdüne. Durch Sandverwehungen ist hier eine Dünenlandschaft von über zwei Quadratkilometern entstanden. Zunächst muss Heini jedoch eine vier km lange Betonplattenstraße bewältigen. Mehr als 40 km/h sind hier nicht drin. Dann stehe ich davor. Ich sehe Menschen als kleine Punkte, die wie Ameisen über die Düne krabbeln. Da will ich jetzt rauf 🙂

Råbjerg Mile

Letztendlich ist das aber auch kein Problem. Nach gut 15 Minuten bin ich auf der Düne. Das Gefühl kann man kaum beschreiben und der Eindruck lässt sich auch nicht abfotografieren.

Råbjerg Mile

Ich stehe im endlosen Sand unter einem riesigen Himmel. Beide Meere kann man sehen. Das ist schon überwältigend. Ich wandere die Düne ab. Am Ende befindet sich noch ein hoher Dünenberg.

Råbjerg Mile

Der Aufstieg ist nicht ganz so einfach. Von dort oben habe ich dann den besten Überblick. Ich bleibe eine Weile und genieße diesen Eindruck. Dann mache ich mich an den Abstieg. Durch den weichen Dünensand, wird alles gut abgefedert. Der Abstieg vom Dünenberg dauert nur ein paar Sekunden.

Ein Engländer spricht mich an. Er sucht den “Tower”. Nach einigem hin-und her verstehe ich dann, dass er die versandete Kirche sucht. Ich sage ihm, dass ich auch nach der Kirche suche. Wahrscheinlich ist sie ganz versunken, meint er kopfschüttelnd mit einem traurigen Blick. Wir kriegen uns nicht mehr ein vor Lachen 🙂

Am Fuße der Düne befinden sich noch sanitäre Anlagen und ein kleines Cafe. Ich fahre weiter nach Skagen und lande beim “Grauen Turm” einem der drei Leuchttürme Skagens. Gut 46 Meter ist er hoch und damit der zweithöchste in Dänemark. Auf einen Aufstieg verzichte ich dann aber. Zu viele Menschen drängeln sich dort, ohne Maske und außerdem habe ich gerade die Wanderdüne hinter mir.

Der graue Turm

Auf der Rückfahrt finde ich dann die St.Laurentius-Kirche. Von dieser, aus dem Mittelalter stammenden Kirche, ist nur noch der Turm zu sehen. Der Rest liegt im Sand begraben.

Die Gegend um die Kirche herum ist von vielen Waldwegen gesäumt. Ein sehr schöner Platz, den auch der Engländer gefunden hat. “Hooray, I found this tower!”, grölt er mir entgegen und macht sich gerade auf den Rückweg.

Mit dem Wetter hatte ich Glück. Auch der Wind lässt langsam etwas nach. Ich fahre zurück nach Asaa.

Tag VII

In der Hütte komme ich gut zurecht. Praktisch ist das nicht anders, als im Wohnwagen. Auf dem Campingplatz, gibt es keine kleineren Hütten. Ich beschließe erst einmal zum SPAR zu laufen und dort mein Frühstück zu holen. Danach will ich tanken und dann sofort an den Strand fahren. Später werde ich noch einmal nach Sæby fahren.

Beim Einkaufen schaue ich mir die Malzbiersorten an. Leider haben alle drei Sorten, die ich finde 1,8% Alkohol. In Deutschland ist die Grenze bei 0,5%. Sonst darf bei uns kein Getränk als alkoholfrei etikettiert werden. Es gibt jedoch alkoholfreies Bier und auch 0,0% Radler. Das Radler von Tuborg schmeckt gekühlt ganz gut. Ich kaufe Erdnussbutter, Marmelade und Brötchen.

Das Tanken ist in Dänemark etwas anders. Zuerst fährt man an die Zapfsäule und geht zu einem Automaten, in den man eine Kreditkarte oder ec-Card steckt. Nach Eingabe der PIN, wählt man Zapfsäule und Treibstoffart. Danach ist man freigeschaltet und kann tanken. In Dänemark habe ich bis jetzt nur die Sorten Benzin (92 Oktan), Super (95 Oktan) und Diesel gesehen. Benzin und Super sind beide E10. Die Spritpreise sind hier etwa 20 Cent pro Liter höher als in Deutschland. Tankstellen sind hier meist unbesetzt. Größere Abweichungen der Preise konnte ich bis jetzt nicht festellen. Der Liter Super lag immer bei knapp 12 Kronen.

In Lyngså angekommen stelle ich mich auf den Parkplatz am Strand. Hier stehen zwei Wohnmobile. Es sieht so aus, als hätten die Besitzer heute hier übernachtet. Es treffen zwei bis drei weitere Autos ein. Dänen und Deutsche. Ich sitze im Auto und beginne ein kleines Frühstück. Das besteht heute nur aus einem Brötchen mit Erdnussbutter und der guten Jordbeermarmalade. Ich gehe danach gleich an den Strand und setze mich etwa 100 Meter weiter rechts ab. Dort ist niemand. Ich ziehe mich um und gehe gleich ins Wasser. Das ist sehr kühl. Ich tauche ein paar mal unter. Das Wasser ist hier in Strandnähe schon sehr kühl. Für eine gute Sicht unter Wasser müsste ich über ein bis zwei Sandbänke. Dann wäre ich aber schon weit draußen. Das mache ich dann heute doch nicht.

Der Wind ist nur angenehm warm, wenn gerade die Sonne durch die Wolken scheint. Ich gehe zurück an den Strand und werde schnell trocken. Die Badehose binde ich an die Dünensträucher. Auch sie trocknet sehr schnell im Wind.

Das Kattegat

Ich kann es hier sehr gut aushalten. Nordjütland ist das perfekte Land, um einfach einmal runterzuschalten und es sich gemütlich zu machen. Natürlich kann man hier auch richtig aktiv werden. Das ist jedem selbst überlassen. Man findet eine überwältigende Natur und einen weiten Himmel. Es ist hier etwas kühler und hier weht immer, ein meist angenehmer, Wind. Manchmal stürmt es. Dann sitze ich in der Hütte, lese und trinke Tee. Warum auch nicht? Jetzt habe ich alle Zeit der Welt.

Ich gehe etwas am Strand spazieren. Hinter den Dünen stehen jetzt keine Häuser mehr. Ich sehe weite Felder und kleinere Waldgebiete. Ich gehe zurück zum Parkplatz. Mehr als drei Autos sind nicht dazu gekommen. Eigentlich seltsam, dass ein so schöner Strand so wenig genutzt wird, aber mir ist das sehr recht. Ich mache mich auf den Weg nach Sæby. Dort fahre ich direkt zum Hafen. Leider sehe ich, dicht gedrängt, viele Menschen. Mehrere Reisebusse stehen dort. Die Menschen sammeln sich um eine kleine Fischbude. Ich halte dort nicht an. Ich wende gleich und fahre Richtung Innenstadt. Dort parke ich in einer Seitenstraße und laufe ca. einen Kilometer, bis ich in der Einkaufsstraße bin. Auf dem Marktplatz ist heute etwas mehr los. In Dino’s Steakhouse & Pizzeria ist so gut wie nichts los. Ich sitze draußen. Es dauert etwas länger, bis ich eine Bestellung aufgeben kann. Der Kellner versteht weder deutsch noch englisch. Ich bestelle eine Cola und Pasta speciale. Das Essen kommt dann etwa 15 Minuten später. Ich bin sehr überrascht. Der Teller ist sehr schön angerichtet. Mittlerweile bekommen auch andere Gäste ihr Essen. Auch Pizzen, Pasta, Fisch- und Fleischgerichte sehen sehr lecker aus. Alles ziemlich große Portionen, wie ich sehe. Ich probiere meine Spaghetti. Wahnsinnig lecker! Pasta speciale bestehen aus Spaghetti, Sahnesauce, Zwiebeln, Dönerfleisch, Paprika und als Beilage jeweils eine Tomaten- und Gurkenscheibe sowie einem sehr leckeren Fladenbrot. Sehr gut abgeschmeckt. Ich bin völlig begeistert. Ich glaube es handelt sich um eine aufgepeppte Variation der Spaghetti Carbonara. Das Brot ist frisch gebacken und schmeckt auch sehr gut. Leider kann ich von dieser Portion nur etwa die Hälfte essen. Dann bin ich sehr satt. Was soll ich sagen? Gerne wieder! Insgesamt kostet mich das Essen 110 Kronen, also knapp 16 €.

Nachmittags wird es wieder etwas regnerischer. Ich fahre in meine Hütte zurück und koche Tee. Dann lese ich noch etwas. Gegen 21:00 Uhr mache ich mich noch einmal auf den Weg. Ich gehe durch Asaa und schaue mir die Straßen und Häuser an. Auf den ersten Blick wirkt alles etwas leerer als bei uns. Schaut man genauer hin, findet man an den Häusern viele kleine nette Details. Vieles erinnert mich an Schleswig-Holstein. Im Ganzen merkt man aber schon, dass man sehr hoch im Norden ist. In den Straßen mit den Einfamilienhäusern wirkt alles sehr gepflegt und abgestimmt. Ich denke, Asaa ist ein guter Punkt von dem man Nordjütland erkunden kann und mit dem Campingplatz bin ich auch zufrieden.

Asaa, eine der Hauptstraßen

Tag VI

Ich werde ziemlich früh wach und teste zuerst einmal die Waschräume. Im Raum meiner Nähe befinden sich zwei Duschkabinen. Abnehmbare Duschköpfe und die gleiche Technik, wie in Søndervig. Es funktioniert auch alles genau so gut. In Søndervig war alles etwas neuer. Danach setze ich mich wieder an den Tisch meiner Hütte und trinke den ersten Kaffee.

Ich mache mich auf den Weg zum hiesigen SPAR-Markt. Diese Märkte gab es bis Mitte der 1980er Jahre auch in Deutschland. Sie sind mit REWE-Märkten vergleichbar. Auch dieser Supermarkt hat eine große Lakritzauswahl zu bieten. Ich schaue mich etwas um. Ein alter Mann spricht mich an, nein er textet mich auf dänisch ziemlich zu. Nach gefühlten zwei Minuten, darf ich auch etwas sagen. Er kann etwas deutsch sprechen. Ich verstehe, dass er seit etwa 400 Jahren hier wohnt und ich unbedingt Rullepølse kaufen müsste. Die wäre hier am besten. Bei so viel Lebenserfahrung kann ich das schlecht ignorieren und so landet eine Packung Rullepølse, nebst dänischem Weißbrot und Salzbutter sowie anderer Lebensmittel in meinem Korb.

Wieder in meiner Hütte angekommen mache ich mich gleich an das Frühstück. Das dänische Weißbrot mit Salzbutter und Marmelade weckt Kindheitserinnerungen und schmeckt genau so gut, wie damals. Dabei war diese Kombination eher dem Zufall geschuldet. Meine Eltern hatten versehentlich diese Salzbutter gekauft. Sie war Mitte der 1970er Jahre nicht als gesalzen gekennzeichnet. Wir stellten dann fest, dass diese Butter auch gut zu Marmelade passte. Von da ab kauften wir nur noch die gesalzene Butter in Dänemark. Die Rullepølse entpuppt sich als eine Art in Scheiben geschnittener Rollbraten. Sehr lecker, das muss ich zugeben.

Rullepølse

Nach dem Frühstück will ich versuchen den Strand in Lyngså wiederzufinden. Dort verbrachten wir in den 1970er Jahren drei Urlaube. Ich habe sehr gute Erinnerungen an diese Zeit und bin sehr gespannt. Google-Maps führt mich, ohne Probleme, an den ca. 15 Kilometer entfernten Strand. Als ich dort, am Kattegat stehe, merke ich, dass es perfekter nicht sein kann. Das Wasser ist sauber, weißer Sand und der Strand ist ziemlich leer. Ab und zu kommen vereinzelte Spaziergänger vorbei. Die Dünen schirmen mich gut vom Wind ab. Zum Schwimmen ist der Wind zu kalt. Ich sitze in den Dünen und lasse alles auf mich wirken. Ich wandere etwas herum, aber bis auf einen entfernten Leuchtturm kommt mir nichts wirklich bekannt vor. Nach über 40 Jahren haben sich Dünen und natürlich auch die dahinter liegenden Holzhäuser verändert. Das Haus von damals finde ich nicht wieder und wahrscheinlich gibt es das auch schon lange nicht mehr.

Leerer Strand…
… soweit das Auge reicht.

Irgendwann habe ich genug und beschließe jeden Tag hierher zu fahren, wenn das Wetter es zulässt. Ich breche ins ca. 10 Kilometer entfernte Sæby auf. Sæby ist eine kleine Hafenstadt mit knapp 9000 Einwohnern. Hier gibt es eine Einkaufsstraße mit etlichen kleinen Läden. Es gibt einen Marktplatz. Dort sitzen viele Menschen an Tischen, essen und trinken. Eine Bühne steht auch dort. Auf den Häusern sitzen Möwen und schreien manchmal. Eine tolle Atmosphäre! Ich schaue mir einige Läden an und kaufe eine Schwimmbrille. Es gibt einige Lokale. Man kann italienisch, mexikanisch,… essen. Mir fällt Dino’s Steakhouse & Pizzeria auf. Da werde ich morgen mal Mittag essen. Der Laden ist nicht so überfüllt und man kann auch draußen sitzen. Für heute habe ich genug eingekauft.

Sæby Vandmølle

Abends schlage ich mich noch etwas mit dem WLAN herum. Es scheint total überlastet zu sein. Das ärgert mich etwas, aber ich kann das Handy als Hotspot nutzen und das funktioniert. Nicht überall auf dem Platz ist überhaupt ein guter Empfang. Ich koche Tee und nehme mir ein neues Buch vor: “Tod am Nord-Ostsee-Kanal” von Anja Marschall. Der Abend klingt gemütlich aus.

Tag V

Der Tag der Abreise ist gekommen und er beginnt mit Regen. Viel Regen. Soviel Regen, dass es an einer Stelle im Zelt durchleckt. Dort hatte sich über Nacht unbemerkt ein Hering gelöst.

Das ist nicht so schlimm, denn ich baue alles ab. Ab und zu macht der Regen eine Pause. Dann schaffe ich Sachen ins Auto und baue ganz zum Schluss das Zelt ab. Auch mein Nachbar packt seine Sachen zusammen. Das hat er hier so noch nicht erlebt, sagt er und sie wären schließlich jedes Jahr hier. Ich für meinen Teil werde schnell mit dem Packen fertig. Ich bin froh, dass es jetzt weitergeht. Den Campingplatz kann ich trotzdem sehr empfehlen. Die Sanitären Anlagen sind tipptopp und der Platz liegt sehr günstig an der Nordsee. Wäre das Wetter nicht gewesen, wäre ich sicherlich auch gerne länger geblieben. Doch jetzt geht es weiter.

Während der Fahrt überlege ich mir die Platzbetreiber in Asaa nach einer Hütte zu fragen. Einen Aufpreis nähme ich jetzt gern für etwas mehr Luxus in Kauf. Jacken und die meisten Handtücher sind ebenfalls feucht. 

Die nächsten drei Stunden bin ich dann ohne Pause unterwegs. Es geht über Ulfborg, Holstebro, Viborg und kurz vor Alborg kann ich dann auf die Autobahn fahren. In Dronninglund mache ich dann Rast in einem Imbiss. Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen und es ist 13:00 Uhr. Ich bestelle einen Hamburger mit einer kleinen Portion Pommes. War alles okay, aber die große Portion muss dann echt bombastisch sein. 🙂

Kleine Portion?

Auf dem Campingplatz angekommen ist das kein Problem mit der Hütte. Ich bezahle im voraus und bekomme 500 Kronen Rabatt. In der Hütte stelle ich schnell fest, dass in Nordjütland andere Stromdosen verwendet werden. Ich frage die Betreiber und nach etwa einer halben Stunde bekomme ich einen Adapter. Damit läuft dann alles und ich richte mich häuslich ein. Die Hütte ist etwa 6 qm groß. In ihr stehen zwei Etagenbetten. Das eine richte ich mir zum Schlafen ein, die drei anderen Bettflächen dienen als Schrank und Ablage. Etwa 30 Meter entfernt befinden sich WC, Dusche, eine Küche mit mehreren Gasherden und außerhalb noch Becken zum Abwaschen.  

Leider beginnt es auch hier nach kurzer Zeit zu regnen. In der Hütte ist das kein Problem. Als ich mit frischen Klamotten aber noch an den Strand will, kommt tatsächlich noch ein Schauer und ich werde noch einmal gehörig nass. Auch der Wind ist hier oben stärker. Ich belasse es dabei, hänge die Klamotten zum Trocknen auf und bin für diesen Tag auch etwas erledigt. Diese Hütte, so klein und einfach sie auch sein mag, kommt mir sehr luxuriös vor.

Besuch von den „Nachbarn“

Tag IV

Heute Nacht war es etwas kühler als sonst. Der Tag beginnt mit Regen und das motiviert mich überhaupt nicht etwas in Angriff zu nehmen. Ich verbringe den Vormittag mit Lesen, Kaffee trinken und schreibe einen Blogeintrag. Irgendwie habe ich wirklich nicht das ideale Wetter erwischt. Natürlich kein Grund für mich alles abzubrechen. Am Nachmittag soll es besser werden und so beschließe ich noch einmal in die Stadt zu fahren und danach ein letztes Mal zum Nordseestrand zu gehen.

Die Fahrt in die Stadt bringt nichts neues. Die Gegend hier wird langsam langweilig. Morgen wird es nach Asaa / Nordjütland gehen. Neue Dinge erleben und alte Plätze aufsuchen auf denen ich vor mehr als 40 Jahren mit meinen Eltern war. Am Strand angekommen weht ein starker Südwestwind. Die Wellen brechen heute mit mehr Gewalt. Das ist die Nordsee, so wie ich sie kenne. 🙂 So ganz traue ich mich noch nicht ins Wasser. Ich sitze erst einmal in der Nähe der Brandung und warte ab. Es zieht dunkel heran, aber ein Großteil zieht in Richtung Campingplatz weiter. Dann beginnt es etwas zu regnen. Ich sehe aber auch, dass dies nur eine etwas größere Wolke ist. Die wird schnell vorbei sein und dahinter wird’s schon wieder hell. Ich kann etwas nass werden oder ganz nass werden und dabei Spaß haben. Also springe ich ins Meer. Ziemlich gewaltig diese Wellen. Sie reißen mich von den Beinen. Ich bleibe in Ufernähe. Kommt die Welle zurück, dann kommen mit ihr viele kleine Steine, die dann um die Fußknöchel gespült werden. Das ist ganz angenehm, so ein Naturpeeling. Trotzdem ist die Nordsee kein Ententeich und ich bleibe vorsichtig. Zwei- dreimal tauche ich noch unter, dann schleppe ich mich etwas mühsam aus dieser Brandung heraus. Noch regnet es etwas und der Wind ist stark. Ich bleibe stehen, um trocken zu werden. Laufe ein wenig hin- und her.Dann schnappe ich mir mein Handy, gehe nochmal in die Brandung und nehme ein kurzes Video auf. Dann habe ich genug.

Ich sitze noch etwa anderthalb Stunden am Strand. Die Sonne scheint und es ist angenehmer. Später steige ich auf die Dünen und schaue mir auch noch mal alles genau an. Tschüß Nordsee und bis bald 🙂

von hier aus sieht es fast ruhig aus.

Tag III

Da es heute mit der WLAN-Verbindung am Chromebook nicht klappen will, richte ich mein Handy als Hotspot ein und kann wie gewohnt Fotos bearbeiten, schreiben und die Nachrichten lesen. Später stelle ich fest, dass einmal in der Woche das Passwort geändert wird. Ich besorge mir ein neues und alles ist wie zuvor. Im Gegensatz zu Deutschland hat man in Dänemark fast überall eine 4G-Verbindung. Auf den Campingplätzen ist das WLAN frei und es funktioniert gut. Manchmal, gegen Abend, wird es etwas langsamer. Dann surfen hier alle.

Es lohnt sich nicht, an den Strand zu gehen. Das Wetter ist sehr wechselhaft. Ich beschließe ins ca. 50km entfernte Holstebro zu fahren. Die Stadt hat mehr als 30.000 Einwohner. Dort werde ich mich umschauen und sehe auch etwas mehr von Midtjylland. Außerdem will ich endlich ein originales Pølser essen. Das gehört zu Dänemark, wie Fish & Chips zu England. Etwas warmes Essen wäre sowieso eine gute Idee. Ich mache mich langsam auf den Weg. Auf der Rückfahrt will ich gleich an den Dünen parken, weil am Nachmittag das Wetter für ein paar Stunden gut sein soll. Jetzt bewährt sich endlich, dass ich so viele Rucksäcke habe. Ich packe einen für die Stadt, einen für den Strand und einen für das Duschen hinterher. 🙂

Ich fahre zuerst einen Umweg durch Ringkøbing. Dort schaue ich nach Einkaufsmöglichkeiten, finde einiges und merke das schon mal vor. Dann geht es weiter Richtung Holstebro. Mit 80 Stundenkilometern zuckele ich durch endlose Landstraßen. Viel ist nicht los. Ich komme durch einige Dörfer und Kleinstädte. In einem Dorf mit dem wohlklingenden Namen Ulfborg sehe ich die Grillhytte, einen sehr dänischen Imbiss. Den merke ich mir auch schon mal, für die Rückfahrt, vor.

Nach ca. 45 Minuten komme ich in Holstebro an. Ich fahre einfach der Nase nach und finde einen Parkplatz vor einem Netto-Markt auf dem ich zwei Stunden parken kann. Vom Parkplatz mache ich mich auf den Weg, gehe durch eine Seitenstraße und befinde mich mitten in der Einkaufsstraße von Holstebro. Was für ein Zufall! Ich stehe auf einem Platz genau gegenüber einer kleinen Pølserbude. Dahinter ein sehr kunstvoll gestalteter Springbrunnen.

Holstebro ist bekannt für viele dieser Plastiken, die im ganzen Stadtgebiet verteilt sein sollen. Auf den Bänken sitzen einige Menschen und auch in der Einkaufsstraße ist viel los. Die Frau am Stand erkennt mich natürlich gleich als Deutschen und fragt: “Was willst du für eine Wurst?”. 😀 Ich will natürlich das rote Original mit Senf, Remoulade, Ketchup, Gurken und Röstzwiebeln.

Das Pølser ist superlecker, aber ich habe kaum aufgegessen da bricht auch schon ein Gewitter los. Vom Sportgeschäft gegenüber fliegt die gesamte Auslage, Trinkbecher und Plastikgeschirr, über den Platz. Alle, auch ich, helfen den Verkäufern die Ware einzusammeln. Dabei wird viel gelacht. Auch die Pølserbude schließt die Pforten. Die Menschen drücken sich in die Geschäfte oder unter die Markisen. Kaum jemand ist verärgert. Alle bleiben locker und lachen viel. 

Später ist alles wie leergefegt. Schade, ich hätte gern einen langsamen Bummel durch die Stadt gemacht, aber meine Kleidung ist nass und das Trocknen in diesen Tagen ein Problem. Trotzdem spaziere ich noch ein wenig herum und schaue in die Schaufenster. Dann gehe ich in den Netto. Finde noch einige spezielle Lebensmittel und gehe zum Auto zurück. Die Parkzeit ist fast vorbei. Ich versetze das Auto und stelle die Parkscheibe neu ein. Ich bleibe im Auto sitzen und überlege erstmal, ob ich bleiben soll. Vielleicht wird das Wetter besser. Andererseits dauert es auch noch eine Stunde bis ich am Strand sein kann und dann soll die Sonne scheinen. Ich bemerke einen Mann in Uniform, der einige Autos mit dem Handy fotografiert. Das kenne ich doch vom Airbus-Werksgelände. 🙂 Der Mann kommt auch zu Heini. Ich spreche ihn gleich an. Er antwortet auf englisch. Er sagt zu mir, dass zwei Stunden eben zwei Stunden sind und ich nicht einfach mein Auto umsetzen dürfe. Ich erkläre ihm, dass ich in den nächsten Minuten fahren wollte und hier nur noch stände, um etwas zu chillen. Er sagt, dass wäre so in Ordnung. Ich mache mich dann aber auch schnell auf den Weg zurück.

Das Wetter wird immer besser, aber es wird auch wieder heiß. In Ulfborg halte ich, wie geplant an der Grillhytte. Auch hier möchte ich möglichst etwas dänisches haben. Ich bestelle eine Portion Pommes mit Currywurst. Mal sehen, ob die anders ist, als bei uns. Sie ist anders! Die Pommes sind soweit okay. Die Wurst besteht aus kleingeschnittenen und frittierten Pølsern. Das ganze wird mit viel Curry-Ketchup und rohen Zwiebeln serviert.

An sich eine tolle Idee, aber nach kurzer Zeit sind die Pommes durchgeweicht und schmecken nicht mehr. Frittierte Pølser muss man nicht haben und der Ketchup schmeckte mir zu sehr nach Kreuzkümmel, ein Gewürz, dass ich nur in Messerspitzen ertragen kann. Rohe Zwiebeln fand ich dazu okay. 🙂 Ich habe nicht mal die Hälfte davon essen können und das ist auch gut so!

Es geht weiter und es wird immer heißer. Dann vor mir ein sehr alter Diesel, der schwarzen Rauch von sich gibt. Das geht über Kilometer so weiter. Es stinkt ganz erbärmlich, fast so, als hätte er Fischöl getankt. Irgendwann biegt er langsam in eine Straße Richtung Ringkøbing-Hafen ab. Zwei Katzen, die eben noch in der Nachmittagssonne vor sich hingedöst haben, nehmen schnurstracks die Verfolgung auf. Klar, der muss mit Fischöl fahren! 🙂

Schließlich komme ich dann wieder an. Ich gehe gleich zum Strand. Es geht über zwei Dünen. Das Wetter ist toll, etwas Wind, der gut tut. Ich mache ein paar Fotos und gehe zum Wasser. Quallen kann ich nicht ausmachen. Ich stürze mich gleich rein. Das Wasser ist super. Es kühlt mich richtig ab und das genau habe ich gerade gebraucht. Leider schwimmen auch wieder drei oder vier kleine blaue Nesselquallen um mich herum. Ich verlasse das Wasser schleunigst. Das war rechtzeitig! Später kommt eine sechsköpfige Familie und setzt sich neben mich. Die Männer gehen ans Wasser, schauen und zeigen ab und zu in die Wellen. Ich stelle mich dazu. Der Mann in meinem Alter spricht etwas deutsch. Ich erzähle ihm von meinem gestrigen Erlebnis und er übersetzt für die anderen. Seine Frau gesellt sich dazu und gibt mir Tipps, wie man am besten mit Quallenverbrennungen umgeht. Sie sagt auch, dass das hier nur so wäre, wenn der Wind von Südwesten kommt. Dann sind viele kleine Nesselquallen im Wasser. Sonst nicht.

Blaue Nesselqualle und Kompassqualle

Ich sitze am Wasser und schaue einfach auf das Meer. Viel ist sonst nicht los. Manchmal kommen vereinzelt Leute vorbei, aber dieser Strand ist sehr leer. Die Familie neben mir ist recht witzig unterwegs. Den kleinsten buddeln sie ein. Er kann sich selbst nicht mehr befreien. Sie setzen ihm lustige Hüte auf den Kopf und machen Fotos. Opa setzt einen Fußball auf seinen Kopf und beginnt Anlauf zu nehmen, um zu demonstrieren, wie ein richtiger Elfmeter geschossen wird. Sofort beginnt Oma zu protestieren. Der Kleine weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. Alle lachen und scheinen sich die ganze Zeit gegenseitig auf die Schippe zu nehmen.

Dann kommt auch mein Campingplatz-Nachbar mit Frau und beiden Hunden vorbei. “Wie lange bleibst du denn noch?”, fragt er sofort. “Bis Donnerstag, ich will weiter in den Norden.”. “Du weißt aber schon, dass du eine Einreisegenehmigung beantragen musst? Sonst darfst du nicht mehr zurück!”. So ganz Unrecht hat er ja nicht. Tatsächlich ist Dänemark zurzeit Risikogebiet. Man beantragt einfach online einen Einreiseantrag, bekommt eine Bestätigung und diese zeigt man bei einer Grenzkontrolle vor. Vor der Abreise kann ich auch noch einen Schnelltest vor Ort machen. Dann dürfte es keine Probleme geben. Als “Durchgeimpfter” müsste ich nur bei einem positiven Test 10 Tage in Quarantäne. Damit rechne ich jetzt nicht.

Die Nachbarn gehen weiter, ich stürze mich wieder ins Meer. Schwimme ein wenig und verlasse das Wasser, als ich mehr als drei Quallen ausmachen kann. Nachdem der Wind mich halbwegs getrocknet hat, mache ich mich langsam auf den Weg zurück. Als ich später das Zelt erreiche, beginnt es wieder zu regnen.

Es wäre müßig sich allzu viel Gedanken, um die Einreiseformalitäten zu machen. Ich bin jetzt im Urlaub, umgeben von meist fröhlichen Menschen und habe das Meer immer in der Nähe. 🙂

Tag II

Ich wache, ziemlich früh um 5:15 Uhr auf. Auf dem Platz ist noch alles ruhig. Ich nehme den Wasch-Rucksack und mache mich auf den Weg zum Duschhaus. Das ist nur etwa 3-4 Steinwürfe entfernt.

Sonnenaufgang

Die Duschen haben Schläuche und sind somit abnehmbar. Auch sonst machen die einzelnen Duschkabinen einen guten Eindruck. Duschen und WC sind immer in einem separaten Raum. Eine Duschmarke reicht für fünf Minuten. Egal, ob man das Wasser laufen lässt oder nicht. Ich muss es fast ganz herunterregeln, da es sehr heiß aus der Leitung kommt. Mit kaltem Wasser kann man auch ohne Marke duschen. Wasser für den Kaffee hole ich mir aus einem anderen Haus ca. 50m von meinem Zelt entfernt. Dort gibt es auch eine Küche mit kleinen Gasherden und Abwaschbecken.

Ich koche mir den ersten Kaffee. Da gibt es beim Camping einige Möglichkeiten. Die einfachste ist echter Nescafe. Ich finde den kann man gut trinken und der ist schnell gekocht. Ich hätte auch eine Kaffeemaschine oder Padmaschine mitnehmen können, aber das ist mir zu viel Klimbim. Man muss schon genug Sachen mitnehmen und der Platz im Auto und Zelt ist knapp. Zum Frühstück gibt’s also erstmal Nescafe und etwas später wieder Pamps. So gegen sieben Uhr wird es langsam lauter auf dem Platz. Einige werden jetzt wach und frühstücken.  

Die Wetterapp zeigt einen durchwachsenen Tag mit Regen, Sonne und nachmittags Gewitter. Ich beschließe später nach Søndervig und Ringkøbing zum Einkaufen zu fahren. Wahrscheinlich wird es mit dem Strand heute nichts. Ich brauche eigentlich nichts, aber ich will auf jeden Fall dänische Lakritze kaufen und ein Lakritzeis essen. Ich schreibe noch einen Blogeintrag auf dem Chromebook und fahre dann mittags los.

Ich lande zuerst im Søndervig MENY Supermarkt. Der ist ziemlich gut ausgestattet. Eine große Bäckerei im Eingangsbereich. Jede Menge Süßigkeiten. Ich kaufe Veilchenlakritze, Jeansknöpfe, Gajol, Lakritzschokolade. Ich muss mich selbst etwas bremsen. Danach schaue ich mich in der Einkaufsstraße um. Auf dem Weg zum Strand entdecke ich ein Cafe mit Eisverkauf. Die einzelnen Sorten sehen sehr bunt und lecker aus. Ich kaufe 2 Kugeln Amarelli Lakritzeis. Ich bin gespannt. Amarelli ist bekannt für sehr leckere Pastillen aus echter Lakritze. Das Eis ist superlecker! Die Konsistenz, wie ein weicher Sahnebonbon und dazu dieser Lakritzgeschmack. Das Eis kostet 26 Kronen, also etwa 3,70 €. Etwas Vergleichbares habe ich nur, vor einigen Jahren, in Göhren auf Rügen gegessen. Ich esse das Eis, sitze auf einer Bank und schaue mir die Leute an. Die meisten sprechen dänisch. Einige Touristen kann man jedoch sofort erkennen.

Noch etwas fiel mir gleich auf. Fast niemand trägt eine Maske. Weder beim Einkaufen noch in den Klamottenläden. Es sieht aus wie in der Vor-Corona-Zeit. Wahrscheinlich gehen die Dänen anders damit um. Ich sehe auch keine Schilder mit Maskenpflicht. Ich trage zuerst meine Maske, aber lasse sie dann später weg. Ich achte auf die AHA-Regel und damit gut. In den Eingangsbereichen finden sich auch überall Dispenser mit Desinfektionslösung. In Bereichen mit offenen Lebensmitteln liegen Gummihandschuhe aus. In der Einkaufsstraße befinden sich einige Biergärten, Restaurants und Pizzerien. Daneben Klamottenläden, Eisdielen, Spielwaren… Alles auf die Touristenbedürfnisse ausgerichtet. Nichts, was mich so richtig anmacht.   

Ich fahre nach Ringkøbing. Dort fahre ich durch die Stadt und am Hafen lang. Überall sind viele Menschen. Keine Parkmöglichkeiten und es reizt mich nicht anzuhalten. Das Wetter ist umgeschwungen. Sonne aber auch eine drückende schwüle Hitze. Ich fahre weiter zu einem Lidl-Markt. In Deutschland fahre ich hauptsächlich wegen der Bioland-Produkte zu Lidl. Der dänische Lidl hat einige von diesen auch. Es steht natürlich nicht Bioland auf der Packung, aber ansonsten ist alles gleich. Einige Produkte sind auf den dänischen Geschmack ausgerichtet. Auch Lakritze findet man zuhauf. Ich kaufe Salzbrezeln, Fischfrikadellen, Knäckebrot mit Zimt und dänische Ingwerkekse. Da ich noch eine volle Kühlbox habe, bremse ich mich wieder etwas aus.   

Draußen wird es heißer und schwüler. In einer Stunde soll es Gewitter geben. Ich fahre zum Platz zurück und beschließe im Zelt etwas zu essen und abzuwarten. Die Fischfrikadellen kann man essen. Dazu gibt es Gewürzgurken, Sahnemeerrettich und eine halbe Brezel. Das Essen im Zelt erinnert mich an früher und macht mir Spaß. Ich liege auf dem Schlafsack, aber das Gewitter will nicht kommen. Ich brauche eine Abkühlung und mache mich auf den Weg zum Strand.

Dort sind vereinzelt Leute. Zwei oder drei sind im Wasser. Ich stürze mich gleich in die Nordsee. Das Wasser ist kühl und extrem salzig. Einfach nur herrlich. Ich halte Ausschau nach Feuerquallen. In Dänemark treten die gelben Haarquallen öfter auf, als bei uns. Als Kind bin ich beim Tauchen mal in so eine rotblonde Dänin hinein geschwommen. Das war sehr schmerzhaft und ich habe die ganze Nacht gelitten. Auch diesmal erwischt es mich wieder. Da ich keine Schwimmbrille habe sehe ich die Quallen nicht. Erst brennt meine Hand etwas. Ich halte das für Einbildung, aber plötzlich brennt mein ganzer Rücken. Ich mache, dass ich da rauskomme. Ich sitze am Strand und bin stinksauer. Da bin ich schon mal an meinem geliebten Meer und kann nicht schwimmen! Nach etwa 10 Minuten brennt es nicht mehr. Ich sitze am Strand. Vereinzelt kommen Leute vorbei. Es ist immer noch ein riesiger Strand mit sehr wenig Menschen. Genau richtig. Dann beschließen einige jugendliche Männer auch ins Wasser zu gehen. Einige schauen fast angeekelt auf die Wellen. Gehen bis zur Fußspitze rein, schnell wieder raus und zurück auf ihr Badehandtuch. Als Kind wäre ich damals von den anderen dafür ausgelacht worden :D, aber die Zeiten ändern sich. Immerhin schaffen es zwei bis zu den Knien ins Wasser. Sie scheinen sehr zu frieren und ergreifen auch bald die Flucht zurück aufs sichere Handtuch. Zwei junge Paare gehen ebenfalls zum Wasser. Die Frauen sind etwas mutiger. Die Männer wollen nicht so recht. Eine der Frauen filmt mit dem Handy und nach kurzer Überredungskunst sind alle im Wasser. Auch ich bin wieder drin. Ich lasse mir doch nicht von den Quallen den Spaß nehmen! Nach etwa 10 Minuten brennt wieder was am Arm. Ich erkenne eine kleine blaue Nesselqualle. Ein sehr schönes Tier, fast violett. Ich gehe wieder aus dem Wasser. Der Arm ist etwas rot aber nach 10 Minuten ist das Brennen wieder vorbei und der Arm sieht normal aus. Damit kann ich leben.

Es beginnt leicht zu regnen. Alle machen sich auf den Weg zurück. Bis zum Campingplatz sind es etwa 1000 Schritte durch die Dünen. Dort angekommen dusche ich mir kalt den ganzen Sand runter. Nach dem Baden kommt mir das Wasser nicht mehr so kalt vor. Im Zelt lasse ich dann den Tag ausklingen. Es regnet immer wieder leicht, aber das Zelt bleibt trocken. Ich esse noch Brezeln mit Aalrauchmettwurst, trinke ein Malzbier und probiere die Ingwerkekse, die richtig scharf sind. Insgesamt war ich gut unterwegs und bin mit dem Tag zufrieden.

Selfie mit Chromebook

Tag I

Der erste Morgen auf dem Campingplatz in Søndervig. Ich bin nicht nass geworden. Mit dem Sonnenaufgang um ca. 5:15 aufgewacht. Nach einer halben Stunde bin ich bereit für eine Dusche und einen Nescafe 🙂

Gestern Nachmittag sah das noch anders aus. Bei gutem Wetter bin ich um halb neun in Lüneburg gestartet. Heini war komplett, bis auf den letzten Zentimeter vollgepackt. Das Nadelöhr Elbtunnel und auch die anschließenden Baustellen waren frei. Ich kam gut durch. Auf einem Parkplatz bei Rendsburg eine kurze Kaffeepause. Weiter ging es bis Tarp, wo ich Heini noch einmal einen vollen Tank spendierte.

Es gab keine Grenzkontrolle. Mein negatives Testergebnis hätte ich gar nicht gebraucht, aber das kann man vorher nicht wissen. Ein Check mit der Wetter-App zeigte mir, dass es gegen 17:00 Uhr ein Gewitter in Søndervig geben würde. Es wäre also gut, bis spätestens 15:00 auf dem Campingplatz eingecheckt zu haben. Ich wusste nicht, wie lange ich zum Aufbau des Zelts benötigte und wie lange das Einchecken dauern würde.

So fuhr ich dann langsam weiter immer mehr in den Norden. Auf der Autobahn fuhr ich nicht schneller als 110 Stundenkilometer. Irgendwann kam ich dann auf die Landstraße und hier ging es dann mit Tempo 80 weiter. Daran muss man sich auch erst mal gewöhnen. Eine weit ausgebaute Landstraße und dann mit Tempo 80! Ich versuchte mich etwas zu entschleunigen und meist gelang das auch.

In der Nähe eines Kartoffelfeldes machte ich dann die zweite Kaffeepause und aß auch das zweite Welcome-Sandwich. Ich vertrat mir kurz etwas die Beine. Es war sehr schwül. Kaum auszuhalten. Das würde wirklich noch ein Gewitter geben Ich konnte es richtig riechen. Noch hatte ich 50 km vor mir.

Schließlich kam ich an. Das Einchecken fand in einem kleinen Laden auf dem Campingplatz statt. Es ging ziemlich schnell. Ich bekam erst einmal 4 Duschmarken, einen Schlüssel für die Schranke und einen Lageplan. Der Laden selbst reizte mich nicht so sehr. Immerhin schien es hier Lakritzeis zu geben. Das merkte ich mir schon einmal vor 😉

Meinen Platz fand ich auch sehr schnell. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob diese große Fläche wirklich allein für mich sein sollte. Ich fragte den deutschen Nachbarn von gegenüber und der meinte nur „Mach Dich man hier breit!“. Also gut, es ging an den Zeltaufbau. Zunächst fixierte ich zwei Enden mit Heringen und legte mir alles zurecht. Die Zeltstangen schob ich dann von der Mitte aus hinein. Das hatte ich mir vorher überlegt, denn beim Testaufbau, letzte Woche, kam mir das Einfädeln der Stangen ziemlich schwierig vor. Da waren wir aber zu Zweit. Jetzt war ich auf mich gestellt. Es klappte aber sehr gut. Im Nu hatte ich die Stangen in den vorgesehenen Schlaufen. Das Aufrichten gestaltete sich schon etwas schwieriger, aber auch das ging vorran, während sich der Himmel schon bedrohlich zuzog.

Der Rest war nun pippifax 🙂 Heringe reinstecken (natürlich hatte ich vergessen, wo der Hammer lag), Seile spannen, Innenzelt anknüpfen. Das Zelt ausrichten. Der Eingang war jetzt nicht ganz gerade zum Weg, aber ich war froh das alles stand. Zum Einrichten kam ich noch nicht. Es kamen mehrere Wolkenbrüche mit Gewitter. Ich musste ins Auto fliehen. Es fühlte sich an, wie in einer Waschanlage. Das waren schöne Aussichten 🙁

Nach etwa 2 Stunden war dann aber das Gröbste vorbei. Mich zog es ans Meer. Das Zelt stand noch wie eine Eins und war innen trocken geblieben. Das war beachtlich. Mein Nachbar machte sich auf den Weg zur Campingplatzverwaltung. Sein Wohnwagenplatz stand komplett unter Wasser und er befürchtete, dass sich die Heringe des Vorzeltes lösen würde. Bei mir war soweit alles schier, ich zog meine Regenjacke an und machte mich auf den Weg zum Strand.

Ich ging immer der Nase nach auf einigen Wegen rund um die Ferienhäuser herum bis ich am Strand stand. Hier stehen einige alte Bunkerruinen. Der Strand ist herrlich. Sand soweit das Auge reicht. Die Nordsee sehr ruhig. Ich gehe barfuß durch das Wasser, das mir sehr warm vorkommt. Wegen drohender Gewitter wage ich mich nicht weiter vor. Außerdem regnet es schon wieder. Ich bin der einzige Mensch an diesem riesigen Strand. Das ist ein sehr seltsames Gefühl. Einige Möwen kann ich sehen. Leider spielt das Wetter noch nicht mit. Mit feuchten Klamotten geht es zum Platz zurück.

Während der Regenpausen richte ich das Zelt ein. Ich bin noch nicht richtig angekommen und weiß nicht so recht, was im Auto bleiben sollte und was ich mit ins Zelt nehmen muss. Ich fange einfach mit dem Notwendigsten an. Der Rest wird sich ergeben.

Schließlich ist alles fertig. Ich gehe noch einmal über den Platz und schaue wo die Duschen, Toiletten und Küchen sind. Alles ist schnell erreichbar. Die Räume machen auf mich einen guten Eindruck.

„Abendbrot“ esse ich dann im Zelt. Sehr leckeren Pamps mit Sauerkirschen, Himbeeren, Blaubeeren, Rosinen und Kokos. Dazu hartgekochte Eier und ein Brot mit Schmalz. An der frischen Luft schmeckt alles noch mal so gut 🙂 Ich lese noch etwas in der Landeszeitung. Mein Nachbar schimpft mit seiner Frau. Dann stellt er die Theorie auf, das wir alle eine Einreisegenehmigung beantragen müssten, um wieder nach Hause zu kommen. Als das Thema dann ausgereizt ist, schimpft er mit seinem Hund weiter. Ich bin froh, dass das Zelt mich abschottet 😀

Es ist sehr gemütlich. Die Kühlbox schnarrt leise vor sich hin, der Schlafsack ist super. Später fühlt es sich an, als wäre ich in Watte verpackt. Ich surfe noch etwas im Internet und schlafe dann auch ziemlich schnell ein.

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