Tag VI

Ich werde ziemlich früh wach und teste zuerst einmal die Waschräume. Im Raum meiner Nähe befinden sich zwei Duschkabinen. Abnehmbare Duschköpfe und die gleiche Technik, wie in Søndervig. Es funktioniert auch alles genau so gut. In Søndervig war alles etwas neuer. Danach setze ich mich wieder an den Tisch meiner Hütte und trinke den ersten Kaffee.

Ich mache mich auf den Weg zum hiesigen SPAR-Markt. Diese Märkte gab es bis Mitte der 1980er Jahre auch in Deutschland. Sie sind mit REWE-Märkten vergleichbar. Auch dieser Supermarkt hat eine große Lakritzauswahl zu bieten. Ich schaue mich etwas um. Ein alter Mann spricht mich an, nein er textet mich auf dänisch ziemlich zu. Nach gefühlten zwei Minuten, darf ich auch etwas sagen. Er kann etwas deutsch sprechen. Ich verstehe, dass er seit etwa 400 Jahren hier wohnt und ich unbedingt Rullepølse kaufen müsste. Die wäre hier am besten. Bei so viel Lebenserfahrung kann ich das schlecht ignorieren und so landet eine Packung Rullepølse, nebst dänischem Weißbrot und Salzbutter sowie anderer Lebensmittel in meinem Korb.

Wieder in meiner Hütte angekommen mache ich mich gleich an das Frühstück. Das dänische Weißbrot mit Salzbutter und Marmelade weckt Kindheitserinnerungen und schmeckt genau so gut, wie damals. Dabei war diese Kombination eher dem Zufall geschuldet. Meine Eltern hatten versehentlich diese Salzbutter gekauft. Sie war Mitte der 1970er Jahre nicht als gesalzen gekennzeichnet. Wir stellten dann fest, dass diese Butter auch gut zu Marmelade passte. Von da ab kauften wir nur noch die gesalzene Butter in Dänemark. Die Rullepølse entpuppt sich als eine Art in Scheiben geschnittener Rollbraten. Sehr lecker, das muss ich zugeben.

Rullepølse

Nach dem Frühstück will ich versuchen den Strand in Lyngså wiederzufinden. Dort verbrachten wir in den 1970er Jahren drei Urlaube. Ich habe sehr gute Erinnerungen an diese Zeit und bin sehr gespannt. Google-Maps führt mich, ohne Probleme, an den ca. 15 Kilometer entfernten Strand. Als ich dort, am Kattegat stehe, merke ich, dass es perfekter nicht sein kann. Das Wasser ist sauber, weißer Sand und der Strand ist ziemlich leer. Ab und zu kommen vereinzelte Spaziergänger vorbei. Die Dünen schirmen mich gut vom Wind ab. Zum Schwimmen ist der Wind zu kalt. Ich sitze in den Dünen und lasse alles auf mich wirken. Ich wandere etwas herum, aber bis auf einen entfernten Leuchtturm kommt mir nichts wirklich bekannt vor. Nach über 40 Jahren haben sich Dünen und natürlich auch die dahinter liegenden Holzhäuser verändert. Das Haus von damals finde ich nicht wieder und wahrscheinlich gibt es das auch schon lange nicht mehr.

Leerer Strand…
… soweit das Auge reicht.

Irgendwann habe ich genug und beschließe jeden Tag hierher zu fahren, wenn das Wetter es zulässt. Ich breche ins ca. 10 Kilometer entfernte Sæby auf. Sæby ist eine kleine Hafenstadt mit knapp 9000 Einwohnern. Hier gibt es eine Einkaufsstraße mit etlichen kleinen Läden. Es gibt einen Marktplatz. Dort sitzen viele Menschen an Tischen, essen und trinken. Eine Bühne steht auch dort. Auf den Häusern sitzen Möwen und schreien manchmal. Eine tolle Atmosphäre! Ich schaue mir einige Läden an und kaufe eine Schwimmbrille. Es gibt einige Lokale. Man kann italienisch, mexikanisch,… essen. Mir fällt Dino’s Steakhouse & Pizzeria auf. Da werde ich morgen mal Mittag essen. Der Laden ist nicht so überfüllt und man kann auch draußen sitzen. Für heute habe ich genug eingekauft.

Sæby Vandmølle

Abends schlage ich mich noch etwas mit dem WLAN herum. Es scheint total überlastet zu sein. Das ärgert mich etwas, aber ich kann das Handy als Hotspot nutzen und das funktioniert. Nicht überall auf dem Platz ist überhaupt ein guter Empfang. Ich koche Tee und nehme mir ein neues Buch vor: “Tod am Nord-Ostsee-Kanal” von Anja Marschall. Der Abend klingt gemütlich aus.

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